Schempp vor Grundsatzfrage

Event-Datum: 
Mittwoch, 1 April, 2020
Der 31-jährige Athlet von der Skizunft Uhingen muss zwei enttäuschende Winter verarbeiten und überlegen, wie es weitergehen soll.
 
Wieder blickt Simon Schempp auf einen Winter zurück, der so gar nicht nach dem Geschmack eines erfolgverwöhnten Leistungssportlers verlief. Zum zweiten Mal hintereinander stieg der Biathlet von der Ski-Zunft Uhingen im Laufe der Saison auf Grund seiner schwachen Resultate aus dem Weltcup aus und verpasste schließlich auch die Weltmeisterschaft.
Hatte der gebürtige Mutlanger schon in der Vorsaison große Probleme und nach vier von zehn Weltcup-Stationen die Teilnahme unterbrochen und letztendlich die Saison vorzeitig komplett beendet, machte eine hervorragende gelaufene Deutsche Meisterschaft im September 2019 mit drei Titeln auf Rollerski dem berühmten Sohn Uhingens Hoffnung auf einen ähnlichen erfolgreich verlaufenden Winter.
Doch es kam anders. Resultate deutlich hinter den Spitzenplatzierungen, abgesehen von einem zehnten Rang in der Verfolgung im französischen Annecy-Le Grand Bornand, sorgten nach den Stationen Östersund, Hochfilzen, Annecy und Oberhof für Frust. Schempp haderte nachvollziehbar mit seiner Form und teilte mit. „Zwischen September und jetzt lief bei mir offensichtlich einiges schief.“ Paralell erklärte Bundestrainer Mark Kirchner das WM-Aus für den Massenstart-Weltmeister von 2017, stattdessen wurde „Formaufbau“ vereinbart. Für Schempp ein harter Schlag. „Wenn das Ziel WM nicht mehr für einen existiert, ist das selbstverständlich ernüchternd. Schlussendlich muss ich wieder zu meinem altbewährten Trainingssystem zurückkommen, mit dem ich viele Jahre erfolgreich unterwegs war“, ließ ein kämpferischer Wahl-Ruhpoldinger mit einem offensichtlich deutlichen Zweifel an den Trainingsplänen verlauten.
Während die Nationalmannschaftskollegen schließlich im Südtiroler Biathlon-Mekka Antholz, wo Schempp in der Vergangenheit fünf seiner zwölf Weltcup-Siege gefeiert hatte, um die WM-Medaillen schossen und liefen, suchte der 31-jährige Uhinger im benachbarten Martelltal im zweitklassigen IBU-Cup mit einem zweiten Platz im Sprint und Rang 18 in der Verfolgung nach dem Anschluss. Schließlich wurde das zwischendurch formulierte Ziel Europameisterschaft verworfen und Schempp kehrte nach der WM ins Weltcup-Geschehen zurück. Im tschechischen Nove Mesto, wo wegen der Corona-Pandemie bereits ohne Zuschauer gestartet wurde, reichte es zu Position 21 im Sprint und mit der Staffel als Startläufer zu Platz fünf, im finnischen Kontiolahti zu den Rängen 45 und 43 im Sprint und Verfolgung, was in der Weltcup-Gesamtwertung Position 41 mit 119 Punkten ergab. An der Spitze triumphierte der Norweger Johannes Thingnes Boe (913 Zähler) vor Martin Fourcade (911 Punkte).
Mit dem exakt zwei Monate älteren Fourcade hatte sich Schempp in den Wintern davor viele spektakuläre Duelle geliefert, allen voran der Massenstart-Zielsprint bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang, las der Franzose den Schwaben nur um eine Skispitze bezwang und Schempp mit der Silbermedaille und Staffel-Bronze nach Hause reiste. Fourcade hat in diesen Tagen seine Karriere beendet, Simon Schempp dagegen wird sich aktuell viele Gedanken machen, wie seine Zukunft aussehen soll.
 
Simon-Schempp-Fanclub plant bereits wieder

Terminkalender
Willi Hahner, in Personalunion Vorsitzender der Ski-Zunft Uhingen und des 1. Simon Schempp Fanclubs, glaubt daran, dass das Aushängeschild des Vereins im kommenden Winter „nochmals zurückkommt“. Die Chancen liege „in einem kompletten Trainingsaufbau wie früher“, so Hahner, der den Vorzeigesportler schon seit vielen Jahren eng begleitet.
Allerdings weiß auch Hahner: „Die jungen Leute drängen nach und haben ihre Chance verdient.“
Aktuell plant Hahner bereits Fanclub-Reisen zur Sommer-WM in Ruhpolding und zur Winter-WM in Pokljuka.
Quelle: swp.de/Harald Betz
geschrieben: 1. April 2020 - 11:01